Gibraltar 2011

Imelda Lynch und Oswald Schmidt

Imelda und Ossi haben am 11. Juli 2011 die Straße von Gibraltar durchquert.

Hier sind Ihr Blog und Charitylink.

 

Und hier ihr Bericht:

 

 

Also, was gibt’s denn über unser Überquerung der Straße von Gibraltar zu berichten?


Beschreibung: sandycove.jpgWir sind Freitagabend den 8. Juli in Malaga angekommen mit dem Wissen, dass die Wettervorhersage für Samstag sehr gut war. Am nächsten Tag zu schwimmen war aber viel zu eng, denn die Fahrt von Malaga nach Tarifa ist weit und es war bereits spät am Abend. Die Überquerung fängt meistens sehr früh morgens an – so um die Zeit der Morgendämmerung - so dass die Zeit für unsere Vorbereitung zu kurz gewesen wäre. Ausserdem waren wir von der Reise ziemlich müde.

 

Wie dem auch sei, 3 italienische Schwimmer in Neopren waren vor uns an der Reihe – dementsprechend gab es für uns am Samstag keine Schwimmmöglichkeit. Einerseits waren wir erleichtert aber zugleich auch recht nervös, denn das Wetter kann sich in der Straße von Gibraltar jederzeit kurzfristig ändern. Tarifa ist für seine starken und stetigen Winde weltberühmt – vor allem bei den Surfern.

 

Am Samstagmorgen trafen wir uns mit Rafael, dem Chef der ACNEG,  THE STRAIT OF GIBRALTAR SWIMMING ASSOCIATION, um die letzten Details für unser Schwimmen am nächsten Tag zu vereinbaren. Anschliessend kauften wir Verpflegung für die Überquerung, schwammen uns ein bischen am Strand westlich von Tarifa aus, machten uns mit dem Hafen vertraut und ruhten uns für den Rest des Tages in unserem Hotel aus. Der Start war auf Sonntagmorgen 7.45 festgelegt – dem ersten Tag unseres Fensters. Besser hätte es nicht kommen können, denn es gibt kaum etwas demoralisierenderes als tagelang auf gutes Wetter zu warten, während die Zeit unaufhaltsam verstreicht und sich das Schwimmfenster zu schliessen droht.

 

Beschreibung: IMG_3429 - Copy.JPGWie es sich ergab waren die Wetter-und Seebedingungen am Sonntag sehr gut – vielleicht nicht ganz so flach wie am Vortag – aber Sorgen haben wir uns deshalb keine gemacht. Alles verlief wie geplant: wir trafen uns mit unserer Bootsbesatzung, verstauten unsere Klamotten und die Verpflegung und schon waren wir auf dem Weg zur Südspitze der Insel ausserhalb des Hafens von Tarifa.

Ins Wasser gehüpft, zur Küste geschwommen und los ging’s.

 

Die ersten 3 Stunden waren herrlich. Klares und ruhiges Wasser, sehr angenehme Wasser- und Lufttemperaturen, gute Schwimmgeschwindigkeit – so glaubten wir jedenfalls – es hat uns richtig Spass gemacht. Nach 3 Stunden - Verpflegung nahmen wir alle 45 Minuten ein - wurde es uns allerdings klar, dass wir zu langsam geschwommen und deutlich hinter unsere erwarteten Ziele zurückgefallen waren.

 

Beschreibung: IMG_3433.JPGIm Vorfeld des Schwimmens hatte ich beschlossen an diesem Verpflegungsstop ein Gel mit Wasser statt des bisherigen Maxim einzunehmen. Das war ein Fehler – ein Riesenfehler. Das Gel hat mir überhaupt nichts gebracht. Statt einen Energieschub zu bekommen musste ich die nächsten 45 Minuten an meine Energiereserven ran. (Es gibt hierfür eine plausible Erklärung, aber ich bin nicht bereit hier meine absolute Dummheit vor aller Welt einzugestehen – schreibt mir halt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) Und weil Imelda und ich zusammen schwommen, dikiterte mein langsameres Tempo unser gemeinsames Vorankommen, was die Bootsbesatzung mit steigender Sorge beobachtete.

 

Ich habe das äberhaupt nicht mitbekommen, Imelda allerdings um so mehr und die Handzeichen und Körpersprache der Bootsleute hat sie sehr beunruhigt. Die haben nämlich die Autorität zu verlangen, dass ein Schwimmer das Wasser verlässt, sofern sie das für notwendig halten. Es war wirklich bessser dass ich das alles nicht gewusst habe. Stattdessen habe ich mich ganz auf’s Schwimmen konzentriert und dafür gesorgt, dass sich meine Arme so gut wie’s ging weiter drehten.


Das langsamere Tempo führte dazu, dass Imelda ihren Beinschlag sehr viel weniger einsetzen konnte als sie das nomalerweise tut. Als Folge davon drohten ihre Beine zu verkrampfen, was Gott sei Dank nicht passiert ist. Nach 5 Stunden bekam ich erhebliche Schmerzen in meiner rechten Schulter – zu welchem Zeitpunkt wir eigentlich hätten fertig sein sollen. Auf diese Weise wurde unsere Überquerung der Straße von Gibraltar zu einem massiven Test für Körper und Geist.

 

Beschreibung: Straits of Gibraltar 067.jpgBeschreibung: IMG_3452 - Copy (2).JPG3km vor der marokanischen Küste ist die Strömung sehr viel stärker als in der Mitte der Strasse.  Sie fliesst  stets von Westen nach Osten – vom Atlantik ins Mittelmeer. Hält man sich dort zu lange auf so ist das Schwimmen vorbei und eine Landung wird unmöglich. Wir kämpften uns in Richtung Küste voran während uns die Strömung nach Osten trug. Mein rechter Arm ähnelte inzwischen einem Ruder, das nur noch im Wasser treibt. Immer wieder misslang es mir, den Arm über die Wellen zu heben sodass sich mein Körper ständig nach rechts in die Strömung drehte, was nicht besonders hilfreich war. Auf diese mühsame Weise und mit einem grossen Mass an Selbstermutigung – denn die Bootsbesatzung war zu diesem Zeitpunkt sehr über unsere langsamen Fortschritte frustriert – näherten wir uns langsam aber stetig der marokanischen Kueste. Wir landeten endlich nach 7 Stunden und 5 Minuten an einer steilen Klippe genannt Marsa Point – ca. 4 km östlich unserer avisierten Landungsstelle.

 

Beschreibung: IMG_3456.JPGErleichterung und Glückseligkeit waren für uns beide die vorherrschenden Gefühle. Unsere Körper und Willenskraft hatten einen Test an der Grenze des Erträglichen erfolgreich überstanden.


Unsere Erholung ist seitdem ziemlich schnell vorangeschritten und wir haben uns auch schon wieder an unsere kalten atlantischen Gewässer gewoehnt – allerdings mit Neopren. Für uns war es ein erlebnis- und erfahrungsreiches Schwimmen auch wenn die Straße so viel kürzer als der Ärmelkanal ist. Unsere Berliner Freundin Margit Bohnhoff hat die Straße letztes Jahr durchschwommen. Auch sie hat erlebt wie anstrengend die Überquerung ist – in mancher Weise schwieriger als der Ärmelkanal.

Unterschätze die Straße von Gibraltar nicht!

Beschreibung: Straits of Gibraltar 141.jpg Beschreibung: Straits of Gibraltar 142.jpg